Verstehen


     


Das Verstehen, die Meinung, fällt aus unsrer Betrachtung heraus.





     

     Das Verstehen fängt aber erst mit dem Satz an. [& darum interessiert es uns nicht].


     


     Wie es keine Metaphysik gibt, so gibt es keine Metalogik. Das Wort “Verstehen”, der Ausdruck “einen Satz verstehen”, ist auch nicht metalogisch.

, sondern ein Ausdruck wie    jeder   andre der Sprache.





     


     Auf die Frage “was meinst Du”, muß zur Antwort kommen: p; und nicht “ich meine das, was ich mit ‘p’ meine”.




     


      // Gesprochenes // kann man nur durch die Sprache erklären, darum kann man    die Sprache   in diesem Sinne nicht erklären.



     


     Alles was ich in der Sprache tun kann, ist    etwas   sagen: das    eine   sagen. (Das eine sagen im Raume dessen, was ich hätte sagen können.)






     


     “Etwas habe ich aber doch gemeint, als ich das sagte!” Gut, — aber wie können wir, was es ist, herausbringen? Doch wohl nur dadurch, daß er es uns sagt. Wenn wir nicht sein übriges Verhalten zum Kriterium nehmen sollen, dann also das, was er uns erklärt.

     Du meinst, was Du sagst.


     


“Verstehen” amorph gebraucht.
     “Verstehen” mehrdeutig.



     


     Könnte man aber antworten: “ich habe etwas mit dieser Bewegung gemeint, was ich nur durch diese Bewegung ausdrücken kann”?



     


     Ich sehe eine deutsche Aufschrift und eine chinesische. — Ist die chinesische etwa ungeeignet etwas mitzuteilen? — Ich sage, ich habe Chinesisch nicht gelernt. Aber das Lernen der Sprache fällt als bloße Ursache, Geschichte, aus der Gegenwart heraus. Nur auf seine Wirkungen kommt es an, und die sind Phänomene, die eben nicht eintreten, wenn ich das Chinesische sehe.| // anschaue. // (Warum sie nicht eintreten, ist ganz gleichgültig.)


     


     “ Geben wir denn den Worten, die uns gesagt werden, willkürliche Interpretationen? Kommt nicht das Erlebnis des Verstehens

mit dem Erlebnis des Hörens der Zeichen, wenn wir ‘die Sprache der Andern verstehen’?”


     


     Wenn mir jemand etwas sagt und ich verstehe es, so geschieht mir dies ebenso, // wie, daß ich, was er sagt, höre.// Und hier ist Verstehen das Phänomen welches sich einstellt wenn ich einen deutschen Satz höre & welches dieses Hören vom Hören eines Satzes einer mir nicht geläufigen Sprache unterscheidet.






     


     Ich verstehe einen Befehl als Befehl, d.h., ich sehe in ihm nicht nur diese Struktur von Lauten oder Strichen, sondern sie hat — sozusagen — einen Einfluß auf mich. Ich reagiere auf einen Befehl (auch ehe ich ihn befolge) anders, als etwa auf eine Mitteilung oder Frage.









     


     (Beim Lesen einer schleuderhaften Schrift kann man erkennen, was es heißt, etwas in das gegebene Bild| // Gebilde // hineinsehen.| // … erkennen, wie man etwas in das gegebene Bild| Gebilde hineinsieht.)






     


Das Verstehen als Korrelat einer Erklärung.













     



     ((Die Schwierigkeit ist, die Grammatik des Wortes “meinen” klar zu sehen. Aber der Weg dazu ist nur der über die Antwort auf die Frage “welches ist das Kriterium dafür, daß wir etwas    so   meinen” und welcher Art ist der Ausdruck, den dieses “   so  ” vertritt. Die Antwort auf die Frage “wie ist das gemeint” stellt die Verbindung zwischen zwei sprachlichen Ausdrücken| // zwischen zwei Sprachen // her. Also fragt auch die Frage nach dieser Verbindung. Der Gebrauch der Hauptwörter “Sinn”, “Bedeutung”, “Auffassung” und anderer Wörter verleitet uns zu glauben, daß dieser Sinn etc. dem Zeichen so gegenübersteht, wie das Wort, der Name, dem Ding, das sein Träger ist. So daß man sagen könnte: “der Pfeil hat eine ganz bestimmte Bedeutung, ist in einer ganz bestimmten Weise gemeint, die ich nur faute de mieux wieder durch ein Zeichen ausdrücken muß”. Die Meinung, die Intention wäre quasi seine Seele, die ich am lieb-
sten


     


     Was die Erklärung des Pfeiles betrifft, so ist es klar, daß man sagen kann: “Dieser Pfeil bedeutet| // sagt // nicht, daß Du dorthin (mit der Hand zeigend) gehen sollst, sondern dahin.” — Und ich würde diese Erklärung natürlich verstehen. —
     “Das müßte man (aber) dazuschreiben”.


     


Das Verstehen des Befehls, die Bedingung dafür, daß wir ihn befolgen. Das Verstehen des Satzes die Bedingung dafür, daß wir uns nach ihm richten.


     



     “Das Verständnis eines Satzes kann nur die Bedingung dafür sein, daß wir ihn anwenden können. D.h., es kann nichts sein, als diese|die Bedingung und es muß die Bedingung der Anwendung sein.”




     

     Das Verstehen einer Beschreibung kann man, mit dem Zeichnen eines Bildes nach dieser Beschreibung vergleichen. (Und hier ist wieder das Gleichnis ein besonderer Fall dessen, wofür es ein Gleichnis ist.) Und es würde| wird auch in vielen Fällen als der Beweis des Verständnisses aufgefaßt.



     


     Man könnte es? in gewissen Fällen geradezu als Bedingung| Kriterium des Verstehens setzen, daß man den Sinn des Satzes muß zeichnen können.| zeichnerisch darstellen können.




     


     Wenn man mir sagt “bringe eine gelbe Blume” und ich stelle mir vor, wie ich eine gelbe Blume hole, so kann das ein Zeichen dafür sein, daß ich den Befehl verstanden habe. Aber ebenso, wenn ich ein Bild des Vorgangs malte. — Warum? Wohl, weil das, was ich tue, mit Worten des Befehls beschrieben werden muß. Oder soll ich sagen, ich habe tatsächlich einen (dem ersten) verwandten Befehl ausgeführt.










     








     


     “Ich kann den Befehl nicht ausführen, weil ich nicht verstehe, was Du meinst. — Ja, jetzt verstehe ich Dich”.
     Was ging da vor, als ich plötzlich den Andern Verstand? Ich konnte mich natürlich irren, und daß ich den Andern verstand, war eine Hypothese. Aber es fiel mir etwa plötzlich eine Deutung ein, die mir einleuchtete. Aber war diese Deutung etwas anderes, als ein Satz einer Sprache?


     
     Es konnten mir auch vor diesem Verstehen mehrere Deutu